Weihnachtspause Geschäftsstelle Dortmund

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Volkskrankheit Trockenes Auge

Pressekonferenz der Augenärztlichen Akademie Deutschlands von 2013

 

Artikel von Prof. Dr. Gerd Geerling

 

 

Die Augen brennen, sie sind müde und gereizt, bei jedem Lidschlag fühlt es sich an, als rieben Sandkörner auf der Hornhaut. Über solche Symptome klagt jeder fünfte Patient, der in Deutschland einen Augenarzt aufsucht. Das Trockene Auge - in der Fachsprache "Keratoconjunctivitis sicca" oder auch "Sicca-Syndrom" - ist eine wahre Volkskrankheit. Die moderne Lebensweise mit langen Arbeitstagen oder auch endlosen Spielstunden am Computer trägt dazu bei, dass mitunter schon junge Menschen unter Augenreizungen leiden. Was zunächst als lästige Befindlichkeitsstörung erscheinen mag, kann sich zu einer Erkrankung der Augenoberfläche auswachsen, die das Sehvermögen ernsthaft gefährdet. Mehr als die Hälfte der Patienten fühlt sich durch Trockene Augen in ihrem Alltag und in der Freizeit beeinträchtigt, viele klagen auch darüber, dass sich diese Beschwerden auf ihre Arbeitsleistung auswirken.

 

Doch die Forschung in der Augenheilkunde findet immer mehr über den komplexen Aufbau des Tränenfilms heraus, ebenso über die vielfältigen Ursachen und Faktoren des Trockenen Auges und über die Behandlungsmöglichkeiten. Mit einer individuell abgestimmten Therapie lässt sich die Krankheit heute gut in den Griff bekommen.

 

 

Wozu braucht das Auge Tränen?

 

Der Tränenfilm benetzt die Oberfläche des Auges: die Innenseite der Lider, die Bindehaut und die Hornhaut. So bleibt die Oberfläche des Augapfels glatt und geschmeidig, kleine Fremdkörper werden einfach weggespült. Daneben enthält der Tränenfilm keimtötende Substanzen; so schützt er das Auge vor Infektionen. Schließlich versorgt die Tränenflüssigkeit die Kornea (Hornhaut) mit Sauerstoff und Nährstoffen. Die transparente Kornea ist frei von Blutgefäßen - die würden das Sehen ja beeinträchtigen. Deshalb ist es wesentlich, dass die Zellen der Hornhaut Nährstoffe und Sauerstoff auf anderem Weg erhalten. Nur ein intakter Tränenfilm kann all diese Aufgaben - im wahrsten Sinne des Wortes - reibungslos erfüllen.

 

 

Mehrschichtiger Aufbau

 

Der Tränenfilm ist sehr komplex aufgebaut - vereinfacht kann man von drei Schichten sprechen: Zum Auge hin sorgt die Muzinschicht (Schleimschicht) dafür, dass der Tränenfilm an der Kornea haftet. Sie geht über in die wässrige Schicht, die den größten Teil des Tränenfilms ausmacht. Sie enthält neben Wasser Nährstoffe, Sauerstoff und keimtötende Substanzen. Ganz wesentlich für die Stabilität des Tränenfilms ist die darüber liegende, abschließende ölige Schicht, die Lipidschicht. Sie verhindert, dass die Tränenflüssigkeit zu rasch verdunstet.

 

 

Ursachen des Trockenen Auges

 

Die Ursachen des Trockenen Auges können vielfältig sein. Umwelteinflüsse gehören ebenso dazu wie Allgemeinerkrankungen oder Nebenwirkungen von Medikamenten. Wenn ein Patient über Symptome des Trockenen Auges klagt, beginnt daher eine differenzierte Ursachenforschung. Da heute immer mehr Menschen immer länger vor dem Computer sitzen, ist das "Office Eye Syndrome" oder auch das "Gamer Eye" in den vergangenen Jahren hinzugekommen: Beim konzentrierten Blick auf den Bildschirm wie auch bei anderen konzentrierten Tätigkeiten sinkt die Lidschlagfrequenz. Dann wird der Tränenfilm nicht mehr gleichmäßig auf dem Auge verteilt, er kann aufreißen, und die Hornhaut trocknet aus. Ist das Auge Zugluft ausgesetzt, arbeitet man in einem klimatisierten Raum oder wird in der Nähe geraucht, dann begünstigen diese Umwelteinflüsse das Austrocknen noch zusätzlich. Kontaktlinsen können die Beschwerden weiter verstärken.

 

Verschiedene Krankheiten wie Diabetes mellitus, rheumatische Erkrankungen oder die der Schilddrüse können dazu führen, dass nicht mehr genügend Tränenflüssigkeit produziert wird. Außerdem unterliegt die Tränenproduktion tageszeitlichen Schwankungen - am Abend, wenn wir müde werden, nimmt sie grundsätzlich ab. Aber auch eine Vielzahl von Medikamenten, die über eine längere Zeit regelmäßig eingenommen werden, beeinflusst die Tränenproduktion.

 

Schließlich fließen die Tränen im fortgeschrittenen Alter spärlicher. Frauen sind besonders nach den Wechseljahren davon betroffen.

 

 

Formen des Trockenen Auges

 

Augenärzte unterscheiden zwischen der hypovolämischen Form des Trockenen Auges, bei der zu wenig Tränenflüssigkeit produziert wird, und der hyperevaporativen Form, bei der aufgrund der gestörten Zusammensetzung der öligen Schicht die Tränen zu rasch verdunsten. Bei der hyperevaporativen Form des Trockenen Auges kann es paradoxerweise sogar passieren, dass die Patienten über einen vermehrten Tränenfluss berichten. Häufig spielen beide Grundprobleme im Krankheitsgeschehen eine Rolle.

 

Eine Störung in der öligen Schicht wird meist durch eine Dysfunktion der Meibomdrüsen verursacht. Diese Drüsen sitzen an den Lidkanten und produzieren das fetthaltige Sekret, aus dem die Lipidschicht besteht. Gerät die Zusammensetzung dieses Sekrets aus dem Gleichgewicht, kann sich das Augenlid entzünden und in der Folge auch die Binde- und Hornhaut. Diese Entzündung wiederum verändert die natürliche bakterielle Besiedelung der Lidkante. Dadurch werden die öligen Anteile des Tränenfilms weiter zerstört - ein Teufelskreis kommt in Gang. Bei den meisten Patienten mit Trockenem Auge ist die Funktion der Meibomdrüsen beeinträchtigt.

 

 

Gerötete, verkrustete Lidkante

 

Abb. 1: Eine gerötete, verkrustete Lidkante deutet auf eine Dysfunktion der Meibomdrüsen hin.

 

 

Untersuchungsmethoden

 

Klagt ein Patient über Symptome des Trockenen Auges, dann spielt zunächst die Anamnese eine wichtige Rolle. Nachfragen zu den Arbeitsbedingungen, zur Einnahme von Medikamenten und zu anderen bekannten Krankheiten geben Aufschluss darüber, was die Beschwerden verursachen kann.

 

Bei der Untersuchung des Auges an der Spaltlampe können Augenärzte dann Qualität und Menge der Tränen sowie den Zustand der Lidkante beurteilen. Eine gerötete Lidkante mit erweiterten Blutgefäßen deutet ebenso auf eine Dysfunktion der Meibomdrüsen hin wie eine trübe Färbung des Sekrets, das normalerweise klar ist. Darüber hinaus können Schäden der Augenoberfläche selber sichtbar gemacht werden.

 

Mit dem Schirmer-Test lässt sich prüfen, ob genügend Tränenflüssigkeit produziert wird. Dazu legt der Augenarzt kleine Streifen aus saugfähigem Papier in den Bindehautsack und beobachtet, wie lange es dauert, bis sich das Papier vollgesaugt hat.

 

 

Schirmer-Test

 

Abb. 2: Mit dem Schirmer-Test klärt der Augenarzt, ob genügend Tränenflüssigkeit gebildet wird.

 

 

Die Stabilität des Tränenfilms kann der Augenarzt durch Messen der Tränenfilmaufrisszeit beurteilen: Auf die Augenoberfläche wird ein Farbstoff aufgetragen und während der Patient es vermeidet zu blinzeln, wird gemessen, wie lange der Tränenfilm stabil bleibt.

 

Ein weiteres Verfahren ist die Messung der Osmolarität, die anzeigt, wie hoch die Konzentration der in der Tränenflüssigkeit gelösten Teilchen ist.

 

 

Behandlungsmöglichkeiten

 

Eine sofortige Linderung der Beschwerden bieten Tränenersatzmittel, die heute in großer Vielfalt auf dem Markt sind. Sie sind als Augentropfen, als Gele oder auch als Sprays verfügbar. Einige enthalten auch ölige Bestandteile und sind bei der hyperevaporativen Form des Trockenen Auges besonders hilfreich. Nach eingehender Untersuchung berät der Augenarzt seine Patienten, wann welche Tränenersatzmittel eingesetzt werden sollten. Bei häufiger Anwendung empfiehlt er Produkte ohne Konservierungsstoffe.

 

Mit etwas Geduld lässt sich auch eine Entzündung der Lidkante in den Griff bekommen, so dass die Funktion der Meibomdrüsen wieder angeregt wird. Ein erster Schritt dazu ist tägliche Liderwärmung und -reinigung über mehrere Monate hinweg. Hinzu kommt die Gabe von Antibiotika, die zusätzlich entzündungshemmend und fettverflüssigend wirken.

 

Wird das Trockene Auge durch eine Krankheit verursacht, gilt es natürlich zunächst, diese Krankheit zu behandeln, um den Tränenfilm möglichst wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Falls die Beschwerden Nebenwirkungen von Medikamenten sind, ist zu prüfen, ob hier eine Umstellung möglich ist.

In ganz schweren Fällen, in denen die Entzündung der Augenoberfläche hartnäckig über längere Zeit besteht, können Augenärzte zusätzlich zu Tränenersatzmitteln auch entzündungshemmende Augentropfen einsetzen, um den Teufelskreis zu durchbrechen.

 

Bei dem in der jüngsten Zeit so oft zitierten "Office Eye Syndrome" beziehungsweise dem "Gamer Eye" helfen schon ein paar einfache Tipps, die Umweltbedingungen so zu verändern, dass sie die Beschwerden nicht zusätzlich verstärken. So empfiehlt es sich, bei der Arbeit am Computer bewusst häufig zu blinzeln und regelmäßig Pausen einzulegen. Frische Luft und ausreichende Flüssigkeitsaufnahme beugen nicht nur dem Trockenen Auge vor, sondern verbessern auch das Allgemeinbefinden.

 

Bei längeren Autofahrten sollte man das Gebläse im Fahrzeug so einstellen, dass der Luftzug nicht direkt auf das Gesicht trifft. Für Kontaktlinsenträger, die unter einem Sicca-Syndrom leiden, ist die fachgerechte, ihre Krankheit berücksichtigende Anpassung der Linsen durch den Augenarzt besonders wichtig. So lassen sich Reizungen der Augenoberfläche oft vermeiden. Im Umgang mit den Kontaktlinsen ist zudem penibel auf Hygienevorschriften zu achten und darauf, dass die Linsen nicht länger als empfohlen getragen werden.

 

 

Prof. Dr. med. Gerd Geerling
Universitäts-Augenklinik Düsseldorf
Moorenstraße 5
D - 40225 Düsseldorf
Tel.: (02 11) 8 11 73 20
Fax: (02 11) 8 10 48 55
E-mail: Geerling@med.uni-duesseldorf.de

 

 

 

Quelle: Presseinformation auf der Webseite der Augenärztlichen Akademie Deutschland (AAD)

 

 

Erstellt am: 27.08.2013 18:37:00


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